5 lebenswichtige Kleinkind-Tipps

Wenn meine Kleine mich mit ihren Wut- und Trotz-Anfällen mal wieder an den Rand des Wahnsinns bringt und ich heimlich überlege ob sie wohl noch in die Baby-Klappe passt, dann wünsche ich mir meist ganz praktisch Hilfe, Tipps von Erziehern oder sonstigen Profis und fange an sehr viel zu lesen, rum zu fragen und zu recherchieren (Journalistin halt, ich kann da nicht aus meiner Haut ;). Für alle die auch manchmal verzweifeln und für mich zur Erinnerung habe ich die 5 wichtigsten Tipps zusammengestellt.

1. Lass Dich auf den Rhythmus des Kindes ein.   

Für mich der wichtigste Tipp überhaupt. Klingt einfach, ich habe aber wirklich lange gebraucht um das wirklich umzusetzen und ich muss mich jetzt immer noch oft daran erinnern. Aber es hilft ungemein. Kinder haben ihr eigenes Tempo und es bringt überhaupt nichts, nein, es macht meist alles noch schlimmer, wenn man versucht sie zu hetzen oder an den eigenen Rhythmus anzupassen. Statt dessen: Zurück lehnen – warten – durchatmen. Mir fällt das sehr schwer, denn ich bin immer gerne 5 Minuten vor einem Termin da, aber wenn das nicht klappt: EGAL. Die Welt wird nicht untergehen. Ich habe mir inzwischen angewöhnt immer bei allem 15 Minuten Puffer einzubauen – wenn ich wirklich pünktlich sein muss. Dann kann auch noch ein Wutanfall kommen, die Windel nochmal voll sein, das Handy vergessen… ich schaffe den Termin dann trotzdem noch. Und wirklich: Es klappt. Und mein Mädchen macht vieles plötzlich von selbst wenn ich den Druck rausnehme und sie machen lasse, egal wie lange es dauert. Spart übrigens auch Nerven!

2. Kinder wollen kooperieren.

Vor der Geburt habe ich viele Eltern kleiner Kinder in meinem Freundeskreis gefragt ob sie einen Tipp haben. Die Frau eines guten Freundes sagte mir: „Wenn ich wirklich wütend bin, dann erinnere ich mich an den Erziehungs-Klassiker Jesper Juul, der sagt: Kinder wollen kooperieren. Das hilft mir ungemein.“ Ich fand das damals etwas kryptisch, inzwischen weiss ich aber genau was sie meint und ich denke sehr oft an diesen Satz. Kinder wollen ihren Eltern gefallen, sie wollen mitmachen. Das muss man sich ins Gedächtnis rufen wenn man mal wieder ein kreischendes Bündel vor sich hat und denkt „Ich lass mich hier nicht verarschen“. Kein 2-jähriger kann das absehen, doch er oder sie wollen nunmal alles selbst machen und ausprobieren. An sich merkt man aber schnell, dass Kinder es richtig machen wollen und es nichts bringt wenn man sich aufregt. Gesagt, getan – ich versuche das jeden Tag – ich weiß, es ist schwer!

3. Sie sind nicht böse – sie mögen etwas nicht.

In einem Ratgeber habe ich letztens gelesen man sollte nicht zu einem Kind sagen es sei böse, weil das das Kind verletze. Darüber habe ich lange nachgedacht, denn ich muss ehrlich sagen: Ich habe das schon zu meiner 2,5-jährigen Tochter gesagt. Sie bringt mich manchmal einfach komplett auf die Palme. Ich finde es wirklich erstaunlich, aber niemand kann mich so ärgern wie sie. Niemand kann mich in 30 Sekunden auf 180 bringen. Ich weiß nicht, ob sie damals verstanden hat, was ich gemeint habe, als ich sagte „Du bist böse“, aber ich habe mich danach geschämt. Ich möchte sie nicht verurteilen, ich möchte sie lieb haben. Gerade zuhause soll sie doch Verständnis erfahren. Und das bringt mich auch gleich zum Nächsten:

4. Wenn Du die Wut im Bauch spürst – geh raus.

Ich habe selbst ein Temperament, was ich meiner Tochter wohl vererbt habe, deshalb kalt es bei uns wirklich manchmal. Aber bevor ich etwas tue, was ich bereue, gehe ich raus. Wenn ich nicht an mich halten kann, haue ich die Tür, aber nur die Tür! Ich glaube auch, dass Kinder authentische Eltern brauchen und keine, die sich verstellen und immer ruhig bleiben. Meine Tochter kann ruhig sehen, dass es mir auch nicht immer gut geht. Aber wenn ich dann draussen in der Küche oder im Flur kurz durchgeatmet habe und ein Glas Wasser getrunken habe hat sie sich meist auch ein bisschen beruhigt. Dann ist es leichter wieder aufeinander zuzugehen, sich in den Arm zu nehmen und zu sagen „Ist wieder gut, gell“.

5. Im Zweifel: Lachen!

Meine Tochter hat mir so viel beigebracht. Immer wieder aufstehen, auch wenn man 50 Mal hinfällt, die kleinen Dinge zu schätzen, und gerade wenn jemand sagt: „Das kannst Du nicht“, es erst recht zu versuchen. Am meisten denke ich aber daran, dass sie immer so fröhlich ist, das ist meine wichtigste Lektion. Kurz bevor eine Situation mit dem Kind kippt hat man oft die Wahl: Ich kann jetzt mit Druck und fester Stimme darauf bestehen, oder ich kann ein bisschen rumalbern, das Kind kitzeln und spielerisch meinen Willen durchsetzen. Letzteres ist immer die bessere Möglichkeit. Und auch das schont übrigens die Nerven 😉

 

Meine Heldin des Tages

Jede Mutter kennt diese Situation: Das Kind hat einen Wutanfall und man muss sich mitten in der Öffentlichkeit damit auseinander setzen. Von wildem Supermarkt-Geschrei,  bösem Spielplatzanfall beim Gehen oder (meine ganz besondere Herausforderung) der plötzlich öffentlichen Erziehung bleibt keine Mama verschont. Und leider auch nicht von sofortigen Kommentaren oder Ratschlägen der zufällig drum herum laufenden Mitmenschen!

Ich habe dabei allerdings heute die Bekanntschaft einer ganz wunderbaren Frau mitten in einer schrecklichen Situation gemacht. Und ich dachte danach das muss ich aufschrieben, schon allein damit andere Leute vielleicht auch mal so großartig reagieren. 

Jede längere U-Bahnfahrt wird bei uns inzwischen zur Horrorshow. Nicht weil das Kind ungern Bahn fährt, nein, sie liebt Bahn fahren. Aber irgendwann kommt sie immer auf die Idee auf die Sitze klettern zu wollen. Dann lacht sie. Ich sage:“Bitte setz Dich wieder hin.“ Meine Tochter lacht wieder. Ich sage:“Schau mal, alle sitzen. Die Leute wollen nicht, dass du mit deinen dreckigen Schuhen auf dem Sitz stehst.“ Meine Tochter lacht lauter. Sie grinst mich frech an.

Jede Mutter weiß was dann kommt.

Ich verbiete ihr das Stehen auf dem Sitz mehrmals, hebe sie runter auf den Boden. Sie klettert jedes Mal wieder hoch und stellt sich auf den Sitz. Nach jedem „Nein“ von mir lacht sie hysterischer und macht es gerade extra nochmal.

Ich versuche ruhig zu bleiben, hebe sie runter, verbiete, drohe, meine Tochter windet sich, schreit, beschwert sich, zum Höhepunkt brüllt sie „Aua, Mama!“, nicht weil ich ihr weh getan habe, sondern aus purer Wut. Ich schwitze, viele schauen zu wie im Theater, ich spüre die Blicke selbst hinter mir. Niemand sagt etwas, aber allen ist es unangenehm. Warum hat die ihr Kind nicht im Griff? Ich hasse das, aber ich zwinge mich ruhig zu bleiben.

„Es reicht jetzt“, sage ich zu meiner Tochter und setze sie in den Wagen. Die nächste Haltestelle ist unsere. „Wir steigen jetzt aus.“

Schweißgebadet öffne ich die Türen. Eine Dame hilft mir. Draußen laufe ich ein paar Schritte mit dem Wagen und bleibe dann stehen um durch zu atmen. Neben mir bleibt die Dame stehen und schaut mich an. „Sie machen das so toll“, sagt sie. „Wie ruhig sie bleiben, aber auch so bestimmt. Sie machen das wirklich ganz toll“, sagt sie und ich bin so erleichtert. Ich freue mich ehrlich. „Danke“, sage ich, „das tut wirklich gut, dass das mal jemand sagt.“ „Ja, das habe ich mir gerade gedacht“, erwidert meine Heldin, und geht langsam davon.

Und ich denke: Das nächste Mal wenn ich eine Mutter mit ihrem Kind kämpfen sehe, möchte ich genau das sagen. Ich will den Mut haben hinzugehen und ihr zu sagen, dass sie einen super Job macht, auch wenn sie gerade das Gefühl hat alles falsch zu machen.

Ich würde mir wünschen, dass es viel mehr solcher Alltagshelden gibt anstelle von Leuten die einen nur anstarren.

R E I S T

Lange waren Reisen mit dem Kind wirklich anstrengend. Allein die Packerei glich für 3 Tage Belgien dem Aufwand einer Weltreisenplanung mit Einsatz im Kriegsgebiet! Das richtige Wasser, Müsli, Snacks und Mittagsmahlzeiten für das Baby, dazu Spielzeug, Schlaftier, Spieluhr, Nachtlicht, Windeln, Creme, Fieberzäpfchen, Heilwolle, Globuli und und und – von Klamotten aller Art und Jahreszeit, Schlafsack und Schuhen noch gar nicht geredet! Schnell wurde aus meinem Koffer eigentlich Gretas Koffer, in den ich am Ende des Stundenlangen Packmarathons noch hecktisch 3 Shirts und eine Hose für mich rein warf. Wie sich das Leben ändert;)

Der Mann war vor während und nach jeder Reise gestresst. Zu viele unvorhersehbare Variablen: Heult das Kind stundenlang im Auto? Schläft es im Hotel nicht? Ist es im Restaurant unausstehlich? Verwüstet es alles und schreit herum? Und wie stehe ich das alles durch?

Es erübrigt sich zu sagen, dass wir in den letzten 2 Jahren unentspannt gereist sind und selten Spaß hatten, Greta war kein einfaches Baby und die Momente, in denen sie das Reisen toll fand, selten. Doch es gab sie: Sandbuddeln am Strand, fremde Spielplätze entdecken, neue nette Kinder im Zug oder unerwartete Pommes an der Raststätte – die kleinen Glücksmomente eben.

Wir haben langsam gelernt, dass das Reisen mit Kind komplett anders läuft, dass man nichts planen kann, und einfach aus allem das Beste machen muss. Inzwischen nehmen wir die Dinge wie sie kommen. Und seit letztem Wochenende kann ich sagen: Sogar der Mann kann das Reisen wieder genießen.

Greta ist inzwischen viel entspannter unterwegs. Sie trifft gerne neue Leute, freut sich neue Zimmer oder Wohnungen kennen zu lernen, und jetzt können wir richtig gut mit ihr reisen. Klar dauert alles länger, und man lernt eine Stadt ganz anders kennen, aber es ist nicht weniger schön, und ich habe das Gefühl nach jeder Reise haben wir alle einen großen Sprung gemacht.

Also Familien: Reist was das Zeug hält! Ob Bayern, Bulgarien oder Bankok – lernt die Welt, euch selbst, und auch eure Kinder besser kennen:))

Die Wahrheit über die Zeit

Die Zeit, von der ich dachte ich würde sie meinem Kind schenken, war in Wahrheit die schönste Zeit, die mir geschenkt wurde. Das habe ich heute erkannt

Ich liebe meine Freitage mit Greta! Es sind die schönsten Tage der Woche:) Wir haben ganz viel Zeit, lassen uns mit allem ganz viel Zeit, und genießen das beide so sehr. Heute waren wir morgens einkaufen, und dann Rädchen fahren. Nach dem Mittagsschlaf sind wir mit der Bahn (oder wie Greta lauthals sagt: ZUG) in die wunderbare Südstadt gefahren, in den zauberhaftesten Kinderschuhladen, und haben weltschönsten Sandalen gekauft:) Sie liebt Schuhe – lach! Zur Belohnung haben wir eine Kekspause beim Bäcker eingelegt, und waren dann noch im Volkspark auf dem allertollsten und größten Spielplatz – mit – Achtung – Kinderzug!!!!

Wir haben die Rückfahrt sogar in vollen Zügen genossen (Greta liebt die Züge!).

Ich bin mir aber auch sicher: Diese Freitage sind nur so toll, weil sie nur ein Mal in der Woche sind :))) und ich freue mich schon jetzt auf den nächste Woche! 

  

Die Wut

Unser Alltag ist jetzt plötzlich voller Fallen! Ich sehe es meist kurz vorher kommen, kann aber die Katastrophe meist nicht mehr verhindern… Denn ich kann ja nicht immer nachgeben. Und Greta kann wegen allem ausrasten. Einige schlimme Dinge mit denen wir sie quälen: Sie muss die Mütze anziehen, sie muss eine Jacke anziehen, sie darf nicht mit der Spitzen Schere spielen, es gibt keine Blaubeeren mehr, es gibt keine Himbeeren mehr, sie muss Zähen putzen… Die Liste geht endlos weiter.

Meist haben wir schon morgens den 1. Wutanfall: Sie muss eine Hose anziehen! Dann dreht sie sich wie wild auf dem Wickeltisch, brüllt als würde man sie foltern, und heult dicke Tränen. Wenn ich sie anfasse oder auf den Arm nehme wird es noch schlimmer, deshalb lasse ich sie inzwischen toben. Sie wirft sich theatralisch auf den Boden, ballt die Fäuste und schlägt um sich. Dann drückt sie den Rücken durch und wirft den Kopf wild herum. Meine Drama-Queen! 

Heute morgen dauerte das Schauspiel 10 Minuten. Sie hat am Ende einen hochroten Kopf, ein total verheultes Gesicht und ist fix und fertig. Ich nehme sie dann in den Arm und wische ihr Rotz und Tränen ab, sie mault noch ein bisschen und geht dann zur Tagesordnung über. Manchmal dauert der Wutanfall aber auch länger – letztens hat sie 30 Minuten in ihrem Hochstuhl getobt. Gerne macht sie das auch unterwegs, zB im Supermarkt, wo ich dann immer besonders dankbar für die Kommentare und Anregungen meiner (kinderlosen) Mitmenschen bin!!!

Ja, das ist normal. Ja, es wird noch dauern. Nein, sie hat keinen Hunger, und sie schläft auch gut. Wir nehmen keine Drogen und misshandeln unser Kind auch nicht. Ja, es ist anstrengend, aber ich liebe sie trotzdem. 

Sie ist 21 Monate – im schlimmsten Fall dauern die Wutanfälle noch so etwa 10 Jahre und werden dann direkt von der Pubertät abgelöst!

Hurra!

Halt mich noch ein bisschen… Bis ich schlafen kann

Vor ein paar Tagen habe ich mal wieder dieses Grönemeyer-Lied gehört. Ich weiß noch genau, wie ich, als das Lied rauskam und überall rauf und runter lief, immer an meinen damaligen Schwarm dachte. Wer das war weiß ich heute nicht mehr😂 Heute aber muss ich an mein Kind denken😝 Vor allem daran, dass Greta das Einschlafen gerade furchtbar schwer fällt, und wir oft abwechselnd mehr als eine Stunde an ihrem Bett verbringen. Nervenaufreibend für alle😖😤 Wir ärgern uns dann, dass das Kind einfach nicht schlafen will, und unser so verdienter Feierabend in unerträgliche Ferne rückt. Das Kind heult manchmal, der Mann wird ungeduldig und laut, ich werde ungerecht…. Bis Greta schläft gehen wir alle auf dem Zahnfleisch. Nicht jeden Abend, aber zu oft.

Und dann musste ich heute, gerade bei diesem Lied, denken: In ein paar Jahren werde ich mir zurück wünschen, dass sie nach mir ruft und meine Hand halten will. Jetzt gerade nervt es mich so, und ich wünsche mir, dass ich sie einfach hin legen könnte und sie alleine einschläft, aber ich weiß genau, ich werde es irgendwann vermissen.

Das ist das seltsame am Mama sein: So oft wünscht man sich, dass es anders wäre, aber wenn es dann so wird, wie man es will, fehlt es einem schrecklich! Das in-den-Schlaf-stillen, das im-Tuch-tragen, im-Bauch-tragen und strampeln spüren, füttern…. Vielleicht ist das von der Natur auch so eingerichtet, damit man viele Kinder kriegt. Denn man denkt doch unweigerlich: Beim nächsten Kind kann ich das nochmal ganz bewusst erleben. Aber das ist, glaube ich, ein Trugschluss: Auch beim nächsten Kind gehen die Momente genauso schnell dahin!

Ich versuche es mehr zu genießen: Halt mich, nur ein bisschen, bis ich schlafen kann!

Das Leben ist zu kurz…

  
Manchmal wird mir ganz plötzlich klar, dass auch meine Zeit endlich ist. Das kann schon auch mal an einem freien Freitag auf dem Ikea- Parkplatz sein! Und dann denke ich, ich muss viel bewusster leben, bewusster genießen und achtsamer sein. Mit mir, mit meinem Körper, und was ich ihm füttere, mit meiner Seele, und was ich ihr aufhalse, mit meinem Geist, und was ich ihm zu tun gebe!

Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein, gruselige Musik, seichten Smalltalk und vor allem für Streit und Kämpfe. 

Also:

 

Viel Drama und ein Happy End

Es war ein Wahnsinns-Jahr – schrecklich und schön, anstrengend und aufregend, spannend und angespannt. Wir haben so viel gesucht: Wohnung, KiTa, Tagesmutter, Job, neue Freunde und Lieblingsläden. Und wir haben so viel gefunden: Neue Stärke, tolle Nachbarn und Freunde, die liebste Betreuung für unser Mädchen, das ruhigste und schönste Umfeld seit langem, und schlußendlich sogar einen neuen Arbeitgeber.Ich habe viel gelacht, geweint, geliebt und gelernt. Bin verzweifelt gewesen und überrascht worden, habe Geliebtes verlassen und Neues begonnen, oft optimistisch, manchmal traurig, aber nie alleine.
5 Dinge, die ich mitnehme:

1. So abgedroschen es klingt, es stimmt: Wenn sich eine Tür für immer schließt, öffnet sich eine andere. Ich habe gelernt los zu lassen, und zu vertrauen. Das ist nicht leicht, im Gegenteil, es ist höllisch schwer, aber ich bin belohnt worden. Ich habe eine geliebte Stadt, viele Freunde, einen sicheren Job, und ein tolles Umfeld verlassen, um woanders ins kalte Wasser zu springen. Ich habe nicht gezweifelt, bin aber am Ende fast verzweifelt. Und wurde so reich belohnt: Mit lieben Nachbarn, neuen Freunden, so vielen Überraschungen, und ganz am Schluss, 2 Tage vor Weihnachten, mit dem größten Geschenk, einem neuen Job:))

2. Wenn ich traurig bin, schaue ich dich an, mein Liebling, dann geht es mir sofort besser. Du bist die Beste, und das wird immer so bleiben. Die schönste Zeit des Tages ist die Zeit mit dir!

3. Eine gute Freundin ist immer da, auch wenn sie weit weg ist. Kilometer spielen keine Rolle, wenn man sich wirklich verbunden fühlt.

4. Um es mit Florence and the machine zu sagen: It’s always darkest before the dawn. Das beschreibt mein Jahr am Besten! Wenn ich geglaubt habe es ist völlig ausweglos, jetzt klappt nichts mehr, dann ist alles besser geworden. Gilt für das Kind, für die Liebe, und am Ende sogar für den Job!

5. Nie aufgeben! Auch das klingt abgedroschen, ist aber wahr. Und gilt auch für Kind, Liebe und Job:) Nachdem ich allen, wirklich jedem erzählt habe, dass sich dieses Jahr in Sachen Karriere nichts mehr tut und dass sowieso alles ziemlich schwierig ist, war plötzlich alles ganz einfach! Und am 23.12. habe ich meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben:)
5 Dinge, die ich zurück lasse:

1. Man kann nie genug ausmisten und weg schmeißen. Sich von Dingen zu trennen macht nicht nur Platz für Neues, es erleichtert auch ungemein. Ein Umzug ist der perfekte Anlass um einfach alle Sachen zu halbieren: Bücher, Geschirr, Kleider, Papiere, Krims-Krams.

2. Manche Menschen sortieren sich von selbst aus meinem Leben aus. Wichtig ist, dass man ihnen nicht hinterher trauert. Entweder sie kommen wieder, oder man fühlt sich ohne sie leichter.

3. Loslassen hilft ungemein – dann kommt meist alles von selbst.

4. Wut hilft auch ungemein und setzt wirklich ungeahnte Energien frei – allerdings nur in erträglichen Dosen. Gilt auch für Kind, Liebe und Job;)

5. Allen Ärger über Beziehungen, die sich nicht so entwickelt haben, wie ich es mir gewünscht hätte. Alle Sorgen, die sowieso so sinnlos sind wie Putzen während das Kleinkind zuhause ist.
In diesem Sinne: Auf ein wunderbares 2016 – mit allen lieben Menschen, großen Herausforderungen, und meinem zauberhaften Mädchen. Ich freu mich darauf!

Mehrfarbig erzogen

Mit Greta in der U-Bahn schauen mich fast alle freundlich an. Manche grinsen, eine Frau winkt meinem Kind. Ich mag das, ich finde es richtig schön für Greta so viel positives Feedback zu bekommen. Es stärkt meinen Glauben an das Gute im Menschen.

Ein älterer Mann lacht Greta und mich an. „Wie süß, der Kleine!“ Ich grinse freundlich zurück und verbessere: „Die Kleine!“ Daraufhin schaut er erst irritiert, dann sehr entrüstet. „Aber er hat doch eine blaue Jacke an!?“ Ich bin dann erst ein bisschen sprachlos, dann lache ich, und kontere: „Sie wird mehrfarbig erzogen!“ Er schaut mich entsetzt an. „Achso“, sagt er und dreht sich weg.

Ist das wirklich 2015, frage ich mich, halb amüsiert, halb verärgert. Meine Lieblingsfarbe ist blau, ich mag total gerne türkis, und rosa überhaupt nicht. Wenn schon dann mal pink oder fuchsia. Mein Mädchen hat viele blaue „Jungs-Sachen“, und ich finde es auch schön, wenn man Jungs mal pink oder rot anzieht. Ich kann diese Klischees sowieso nicht leiden – Mädchen nur in rosa und mit Puppen spielend, Jungs raufend und in blau. So ein Blödsinn! Aber anscheinend sind wir trotz aller Fortschrittlichkeit noch nicht so weit. Verrückte Welt. Egal, mein Mädchen wird mehrfarbig erzogen ;))

Wie das so ist… mit 17 Monaten

Alles ist unscharf – denn alles geht so schnell!

Du läufst! Ich kann es immernoch nicht fassen. Jeden Tag sicherer und besser. Mein Stolz ist so groß, wenn ich Dich morgens auf die Tür zulaufen sehen, in der dicken Winterjacke, und hoch konzentriert setzt du einen Fuß vor den anderen. An der Tür angelangt schaust du zurück zu mir, und grinst zufrieden. Wieder einen Schritt mehr geschafft! Wieder einen riesigen Schritt Richtung Selbstständigkeit. Und ich frage mich – wo ist das Jahr geblieben? Vor genau 1 Jahr bekamst du den 1. Zahn. Jetzt läufst du. Und ich frage mich wehmütig, was nächstes Jahr vor Weihnachten kommt…

Ich kann es immernoch nicht fassen, dass ich dich so gut hingekriegt habe – dass wir dich so gut hingekriegt haben. Du bist so perfekt, so schlau, und so glücklich – meistens. Außer wenn du Abends beim Essen einen Riesen-Wutanfall bekommst, weil ich dir nicht erlaube nur die Butter vom Brot zu essen, und den Rest dann weg zu schmeißen. Du warst wohl wirklich mal ein Tyranosaurus Rex – wenn du könntest, würdest du im Moment nur Fleisch essen. Deshalb müssen wir dich austrixen, und stellen die Wurst und den Lachs erst auf den Tisch, wenn du schon mindestens 1 Brot gegessen hast. Dann schnellt aber sofort dein „Ich-will-Finger“ vor, und mir düsterer, bestimmender Miene, die keinen Aufschub duldet, zeigst du auf den Aufschnitt, und sagst „Meine!“ Ich muss mir dann immer das Lachen verkneifen.

Und du hast mir so viel beigebracht. Ich hätte nie gedacht, dass ich so geduldig sein kann, so ausdauernd. Nach einer furchtbaren Nacht, mit stündlichem Geschrei, neben deinem Bett kauernd und singender Schlaflosigkeit, kann ich dich trotzdem morgens anlächeln, und empfinde so viel Liebe, dass es beinahe weh tut. Ich kann dir ganz in Ruhe Frühstück machen, zum hundertsten Mal das selbe Steckspiel spielen, und freue mich über jedes neue Wort von dir.

Du bist eine Wortkünstlerin. Ganz genau beobachtest du meinen Mund während ich etwas sage, und versuchst es ganz genau nach zu ahmen. Und wenn du dann „mei“, statt Maus, und „ake“ statt „Jacke“ sagst, bist du trotzdem so zufrieden wenn ich dich verstehe. Du verstehst genau, dass Kommunikation das Wichtigste ist. Du verstehst überhaupt alles.

Deshalb musst du bitte auch verstehen, wenn du zu Weihnachten nicht die von dir gewünschte Steckdosenleiste, das Laptopkabel und die benutzte Klobürste bekommst. Auch ein IPhone finde ich noch zu früh, obwohl ich weiß dass du es so wahnsinnig spannend findest! Aber du weißt ja, ich muss auch noch viel lernen – und du kannst mir noch einiges beibringen;)